St. Stephens, L.A.
October 12, 2003
Kirchweih
75. Jahre St. Stephens Kirche
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Liebe Landsleute, Pfarrkinder und Gaeste! Liebe Freunde der St. Stephans Kirche! Es sind schon fuenfundsiebzig Jahre her, daB ein junger donauschwaebischer Priester eine neue Kirche gruendete. Dies war aber mehr, als eine Kirche. Denn er wuBte, Gottes Liebe kennt keine Grenzen. Er sah die groBe Not so vieler Einwanderer verschiedener Nationalitaeten und Sprachen; er sah, daB die Notleidenden Hilfe brauchten, und die Waisen einen Vater. Er wuBte, etwas muB gemacht werden, und er hat es gemacht, sodaB er selber die Hilfe brachte und er der Vater wurde. Er ist zum reinen Spiegel der grenzenlosen Liebe geworden. Unsere liebe St. Stephans Kirche ist ins Leben gerufen worden und Father Lani’s Traum ist in Erfuellung gegangen: mit der Gruendung einer Oase, wo alle ein geistliches Zuhause finden koennen. In Deutsch, in Ungarisch, in Spanisch, in Englisch haben ihn so viele “Father” genannt und das war er in Wirklichkeit. Und die Kirche, die er gruendete, ist zur zweiten Heimat geworden, eine Heimat, die wir noch heute lieben. Und so, obwohl unsere Kirche klein und arm ist, hat sie eine glorreiche Vergangenheit. Zwischen den zwei Kriegen und besonders nach dem zweiten Weltkrieg hat sie unter der Leitung von Father Lani so vielen Fluechtlingen geholfen. Diese Kirche bedeutete Leben und Hoffnung fuer so viele Hoffnungslose Menschen. Viele von euch erinnern sich an diese schweren Jahre, und ihr wiBt, wie sehr die Welt einen Father Lani damals brauchte. Er ist zu frueh von uns gegangen, aber sein Geist begleitet uns in all unserem Tun. Nach seinem fruehen und unerwarteten Tod haben viele Priester versucht, nach seinem Sinn und mit seinem Geist weiterzumachen, seinen groBen Traum unter neuen Zustaenden zu erfuellen. Viele von diesen fleissigen Priestern sind schon gestorben, und heute feiern auch sie mit uns; sie schauen auf uns von ihrem himmlischen Platz und sehen mit Freude, daB wir auch jetzt noch zusammenhalten. Denn es ist nicht so wichtig, wer der Pfarrer ist, sondern wie treu die Pfarrkinder sind. Und Gott sei Dank, unsere sind sehr getreu! Denken wir an dieses uns so liebe Kirchlein, wo wir jede Woche den Herrgott in der Muttersprache anbeten duerfen. Welch ein Schatz ist das fuer uns! Wieviel Trost haben wir zwischen diesen Waendern gefunden! Diese Waender waren schon Zeugen sovieler Gnade, sovieler Trauer, sovieler Freude, und wenn diese Waender reden koennten, was alles moechten sie uns erzaehlen! Wieviele haben Gott gesucht und ihn in dieser Kirche gefunden! Wieviele haben hier bittere Traenen geweint, wieviele haben aus Freude hier gesungen! Wieviele suendige Menschen haben zwischen diesen Waendern um Gottes Erbarmen gebeten! Wieviele betruebte Herzen haben durch die Worte der Predigt Trost und Frieden gefunden! Wie oft haben wir uns in diesem heiligen Haus mit dem Herrgott getroffen und miteinander getroffen, und von wievielen lieben Bruedern und Schwestern haben wir zwischen diesen Waendern letzten Abschied genommen! Wieviele Gebete sind zu Gott emporgestiegen und wieviele Segen sind auf den Menschen herabgekommen -- alles in dieser kleinen Kirche! Ihr erinnert euch an das alles. Ihr wisst, wieviel diese Kirche euch bedeutet, und ihr habt eure Herzen in diese Waender hineingebaut. Sie ist nicht nur ein Gebaeude, sie ist ein Teil eures Lebens, eurer Seele. Dieses Gotteshaus besteht nicht aus Ziegeln, sondern aus Herzen: aus lebendigen, glaubenden, betenden Menschen, die aus Gnade und aus vieler Liebe eine Gemeinde bauen. Gedenken wir unserer Brueder und Schwestern, die einst mit uns gebetet haben und die der Herrgott schon zu sich gerufen hat. Ihre Herzen sind auch in unsere Kirchenmauer hineingebaut. Auch sie vergessen wir nicht bei dieser Feier, denn sie bleiben mit uns und ihre Gebete begleiten uns auch jetzt. Wer zur deutschen Kirche kommt ist nicht nur treu, sondern oft auch ein Held. Geht man in die naehere amerikanische Kirche, so muB man kein groBes Opfer bringen; man kann vielleicht auch zu FuB gehen. Aber wenn man in die deutsche Kirche gehen will, so muB man eine halbe Stunde fahren, oder eine ganze Stunde, oder vielleicht auch zwei. Das Opfer ist groB, und ich bin sehr dankbar, daB unsere Pfarrkinder vor so einem Opfer sich nicht scheuen, sondern alle Sonntage mit Freude und Liebe kommen, weil die deutsche Kirche ihnen so viel bedeutet. Das habe ich hier immer bewundert und ich bin sehr dankbar, daB ich diese wunderbare Treue erfahren darf. Dann erst was alles unsere guten freiwilligen Helfer leisten! Ohne euch koennte unsere Kirche gar nicht bestehen. Stunden, Tage opfert ihr auf, damit die Kirche weiter bluehen kann, damit unser Volk weiterhin eine geistliche Oase, ein zweites Zuhause finden kann. Die Priester koennen das nicht allein machen, sondern wir brauchen immer eure Hilfe und finden euch immer hilfsbereit. Nach der groBen Einwanderung hat die Kirche so vielen geholfen. Fuer viele war die Kirche der einzige Platz, wo man verstand, was alles sie durchgegangen waren, der einzige Platz, wo man Deutsch reden konnte, der einzige Platz, wo man sich zu Hause fuehlte. Zu diesen schweren Zeiten spielte die Kirche eine unersetzliche Rolle und vielen hat die Kirche das Leben gerettet. Jetzt ist die Lage ganz anders, es kommen keine Fluechtlinge mehr, nur ganz wenige duerfen einwandern, und man fragt, ob wir eine deutsche Kirche noch brauchen, ob es noch einen Sinn hat, sie zu behalten. Es sind fast keine deutschen Kirchen mehr. Ich denke aber anders. Eine Kirche hat zwei Aufgaben. Die erste ist: sie hilft nach oben schauen. Wer ist Gott? Wie koennen wir das himmlische Ziel erreichen? Die andere Aufgabe der Kirche ist: sie hilft nach innen schauen. Wer bin ich? Wie ist meine Seele und warum ist sie so und nicht anders? Um nach oben schauen zu koennen, waere es vielleicht genug, in irgendeine Kirche zu gehen, sei sie amerikanische oder kinesische, denn es gibt nur einen Gott auf der Welt, obwohl ich denke daB es fuer die meisten Menschen doch viel leichter ist, in der Muttersprache zu beten. Aber um nach innen schauen zu koennen, um die Tiefe der Seele anschauen zu koennen, dazu kann nicht irgendeine Kirche helfen. Dazu braucht man eine Gemeinde, die dieselben Wurzeln hat; dazu brauchen wir Leute, die das Schicksal, Geschichte und Erfahrungen der Einwanderer verstehen, die des Volkes Kultur, Sitten und Denkart kennen, lieben und schuetzen. Dazu braucht man eine Gemeinde, die die deutsche Seele kennt und versteht, mit all ihren Staerken und all ihren Schwaechen, mit all ihren Schwierigkeiten und all ihren Leiden. Mit einem Wort, dazu brauchen wir eine deutsche Kirche. Ja, wir brauchen noch sehr notwendig die deutsche Kirche. Und was wird mit unseren da geborenen Kindern und Enkelkindern, wenn sie ihre Wurzeln vergessen? Wenn wir die Verbindung mit der Vergangenheit, mit den Wurzeln verlieren, so verlieren wir auch die Verbindung mit uns selbst. Denn die deutsche Seele gehoert nicht nur der Vergangenheit, nicht nur den Eltern, sondern die deutsche Seele lebt auch in den Kindern, und das koennen wir nicht vermeiden oder verleugnen. Wenn das Kind diese Seele nicht kennt, zusammen mit allem, was dazu gehoert, kennt es sich selbst nie richtig verstehen. Und hier kann die deutsche Kirche, die deutsche Gemeinde, sehr viel helfen. Ja, auch die neue Generation braucht die deutsche Kirche. Und wenn sie auch nicht immer so regelmaessig kommen, wie ihre Eltern, wenn es auch leichter ist, in der naeheren amerikanischen Kirche zu beten, frueher oder spaeter kommen sie doch darauf, daB sie ab und zu brauchen, ihre Wurzeln zu suchen. Und in solchen Momenten steht St. Stephans Kirche da, wie eine Mutter, die zu jeder Zeit mit ausgebreiteten Armen und muetterlicher Liebe ihre Kinder erwartet. Ja, schauen wir nach oben, so finden wir Gott. Schauen wir nach innen, finden wir einen Menschen, der Kind Gottes und Kind des deutschen Volkes ist. Und die deutsche Kirche bietet Hilfe auf dem Gott suchenden und Deutschtum suchenden Weg. Seine Wurzeln reichen tief zurueck, und die Wurzeln sind glaeubig und deutsch. Nur damit koennen wir die Stuerme des Lebens Ueberstehen, nur damit koennen wir uns selbst verstehen. Die Wurzeln muessen stark bleiben. Es
gibt keine andere Kirche, wie unsere.
Wir koennen hier vieles geben, was man in anderen Kirchen nicht
findet. Ich hoere immer
wieder, daB hier weit mehr Waerme, weit mehr Liebe zu spueren ist.
Es ist unser Standpunkt, daB in Gottes Haus jeder Mensch einen
Platz findet -- jeder, ohne Ausnahme.
Und gerade deswegen finden hier so viele eine geistliche Oase.
Wir duerfen uns sehr freuen, daB auch nach so vielen Jahren unsere
kleine Kirche noch besteht und sogar noch blueht, als fast Ueberall in
diesem Land die deutschen Kirchen geschlossen sind, weil sie leer waren
und auch keinen Priester mehr hatten.
Wir koennen uns sehr freuen, daB wir diesen Tag erleben und
gemeinsam dieses Jubilaeum feiern duerfen. Liebe Pfarrkinder! Durch Gottes Gnade arbeiten wir und beten wir schon fuenfundsiebzig Jahre, daB die Wurzeln bleiben: die Wurzeln des Glaubens, die Wurzeln des Deutschtums. Gott gebe, daB diese Wurzeln weiter leben: in unserer Kirche, in unseren Herzen, in unsern Kindern, und daB in dieser uns so lieben St. Stephans Kirche noch lange Jahre zu Gottes Ehre in Deutsch gesungen wird. |
Dear countryman, Parishioners and guests!
Dear friends of St. Stephan's church! Seventy-five years ago, a young donau-schwaebian priest formed a new church. It, however, became more than a church. For he knew that God's love knows no boundaries. He saw the dire need of so many immigrants of different nationalities and languages; he saw that they needed help, the orphans needed a father. He knew something must be done, and he did it. He himself brought the help, he became their father. He became a reflection of boundless love. Our dear St. Stephans church was called into being and Father Lani’s dream was fulfilled by founding an oasis where all could find a spiritual home. In German, in Hungarian, in Spanish, in English so many called him “Father” and that is what he became in reality. The church that he established became a second homeland, a homeland that we love to this day. And so, although our church is little and poor, it has a glorious past. Between the two world wars and especially after the second world war, under the direction of Father Lani, it helped so many immigrants. This church stood for life and hope for so many hopeless persons. Many of you remember these difficult years, and you are aware of how much the world needed a Father Lani. He left us too soon, but his spirit accompanies us in all our doing. After his early and unexpected death, many priests, guided by his purpose and vision, tried to fulfill his dream under new and changing circumstances. Many of these diligent priests have themselves already died, and today they also celebrate with us as they look down upon us from their heavenly place and view with joy that we continue to remain a community. It is not important who the priest is, but rather how faithful the Parishioners are. Thank God, ours are very loyal! Think about our dear little church, where each week we can celebrate God in our mother tongue. What a treasure it is for us! Think of how much comfort we have found between these walls! These walls have been witness to so much grace, so much sorrow, so much joy, and if these walls could speak, what stories they would tell! How many have sought God and found Him in this church! How many have cried bitter tears here, how many have sang out in joy here! How many sinners have asked God for pity between these walls! How many troubled hearts have found comfort and peace through the words of the sermons here! How often have we met in this holy house with God and with each other, and how often have we met between these walls to bid a final farewell to our dearly departed brothers and sisters! How many prayers have ascended to God and how many blessings have been sent down upon us--all in this little church! You remember all of this. You know how much this church means to you and you have built your hearts into these walls. It is not only a building, it is a part of your life, your soul. This house of God was not built of brick, but rather of hearts, out of living, believing, prayerful people, who constructed a community out of grace and out of much love. Let us remember our brothers and sisters who have prayed with us and who God has already called home. Their hearts are also built into our church's walls. We cannot forget them in this celebration, for they too remain with us and their prayers accompany us now. Those who come to German church are not only faithful, but are heroes. Those who go to their nearby American church face no great imposition; most can likely walk to church. But if one wants to go to German church, it may take half an hour, or an entire hour, or perhaps also two. Your sacrifice is great, and I am very thankful that our Parishioners do not shy away in the face of such a sacrifice but come on Sundays with joy and love because the German church means so much to them. I have always admired and been grateful that I have been allowed to experience this wonderful loyalty. Let us also recount the achievements of our voluntary helpers! Without you, our church could not exist. You volunteer hours, days, so that this church can bloom even further, so that our people can find a spiritual oasis, a second home. The priests can not do it alone, but rather we need your assistance and always find you ready to help. After the great immigration, the church helped so many. For many, the church was the only place where someone could understand, know what they had been through, the only place where one was able to speak German, the only place where one felt at home. In those difficult times, the church played an irreplaceable role and many were rescued by this church. Now the situation is very different, there are no more refugees, only a very few are allowed to immigrate, and some ask whether we still need a German church, whether it makes sense to keep it. There are almost no German churches left.. I believe differently however. A church has two tasks.
The first is to look upward. Who is God? How
can we reach our spiritual goal? The
other task of the church is to look inward. Who am I? What
is the state of my soul and why is it so and not different? In order to be able to look upward, it would be enough to go to any church, be it American or Chinese, after all there is only a God in the world, although I think for most persons it is much easier to pray in their mother tongue. But in order to look inward to the depth of one's soul, not every church can help. One needs a community that has the same roots; we need people who understand the past, the story and the experiences of the immigrants, people that know, love, and protect their culture, their customs and their way of thinking. In addition, one needs a community that knows and understands the German soul with all of its strengths and all of its weaknesses, with all of its difficulties and all of its sorrows. In a word, we need a German church. Yes, we still desperately need a German church. And what is to become of our children and grandchildren who were born here if they forget their roots? If we lose the connection to the past, the connection to our roots, we lose the connection to ourselves. The German soul belongs not only to the past, not only to the parents, but the German soul also lives in our children, and we cannot avoid or deny that. If the children do not know this soul, together with all that it entails, they can never fully understand themselves. And here the German church, the German community, can help greatly. Yes, even the new generation needs the German church. And even if they do not come as regularly as their parents, and if it is easier to pray in the nearer American church, sooner or later they come to the realization that occasionally they need to seek and keep in touch with their roots. And in such moments, St. Stephan's church is there like a mother who always stands ready with her arms spread wide to embrace her children with motherly love. Yes, if we look up, we will find God. If we look inward, we will find a person who is a child of God and a child of the German people. And the German church offers guidance and help in seeking our way to God and to our heritage. Our roots reach back far, and these roots are believing and German. Only with these deep roots can we understand ourselves and weather the storms of life. These roots must remain strong. There is no other church like ours. We have so much to share here that is not available in other churches. Time and again, I hear that people feel more warmth, more love here at this church. It is our firm belief, that in God's house each person, every one has a place, without exception. And just for that reason so many find a spiritual oases here. We can be very happy that after so many years our little church is still in existence and is even blossoming when almost everywhere else in this country the German churches are closed, because they were empty and no longer have priests. We can be very happy, that today we can experience and celebrate this anniversary together. Dear Parishioners! Through God's grace we have already worked and prayed for seventy-five years that the roots may stay strong: the roots of Faith, the roots of our German heritage. May God grant that these roots will live on in our church, in our hearts, in our children, and that in many more years to come, German hymns will be sung to praise God in this, to us so dear, St. Stephan's church. |